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Bild: Hamsterkiste

Eine Anlage, in der Kohle gefördert wird, nennt man Bergwerk oder Zeche. Heute sind im Ruhrgebiet nur noch drei Bergwerke in Betrieb. Kohle ist noch genug da, aber die Förderung ist zu teuer geworden. Insgesamt gab es hier einmal über 3000 Zechen, in denen zeitweise fast 500.000 Menschen arbeiteten.

Unter und über Tage

Bei einer Zeche gibt es Anlagen „über Tage“, also an der Oberfläche, andere befinden sich „unter Tage“. Den Arbeitstag eines Bergmanns nennt man Schicht. Bevor es in die Tiefe geht, zieht er seine Arbeitskleidung an und nimmt seine persönliche Ausrüstung in Empfang. Das geschieht in einer Kaue. Die Bergleute und ihr Arbeitsmaterial werden in einer so genannten Seilfahrt befördert.

Förderturm des Bergwerks Prosper Haniel in Bottrop - Bild: Hamsterkiste

Auf einem Zechengelände stehen hohe Fördertürme. Hier drehen sich die Seilscheiben, über welche die Ein- und Ausfahrt gesteuert wird. Die langen Stahlseile können gleichzeitig Lasten nach oben transportieren und Personen und Material nach unten befördern. Angetrieben werden die Seilanlagen von Fördermaschinen. Von der Oberfläche führen Schächte senkrecht in die Tiefe. Bis zu vier Förderkörbe sind dabei übereinander angebracht. Durch die Schächte wird auch die Kohle nach oben transportiert.

Simulation einer Seilfahrt - Bild: Deutsches Bergwerksmuseum Bochum

Wetter

Mit zunehmender Tiefe wird es in einem Bergwerk immer wärmer. In den tiefsten Abbaustrecken können Temperaturen bis zu 40 Grad herrschen. Das Klima unter Tage nennt man Wetter. Spricht man zum Beispiel von mattem Wetter, ist die Luft im Bergwerk nicht besonders gut. Eine ausreichende Belüftung und Frischluftversorgung ist dringend notwendig. Durch besondere Wetterschächte wird dem Bergwerk Frischluft zugeführt, durch andere wird die Abluft nach oben geleitet.

Gefährlich sind so genannte Schlagwetter. Sie treten auf, wenn giftige Gase aus dem Gestein austreten. Sie bedeuten eine Erstickungsgefahr für die Bergleute oder sie können zu Explosionen führen. Diese nennt man dann Schlagwetterexplosionen. Schlagwetter sorgten immer wieder für schwere Bergwerksunglücke. Da die austretenden Gase oft geruchsfrei sind, nahm man früher manchmal Kanarienvögel mit in die Tiefe. Wenn diese empfindlichen Vögel starben, drohte Gefahr durch Gas. Diese Methode war aber nicht besonders sicher. Heute gibt es in Bergwerken automatische Messstationen, die sofort gefährliche Gaskonzentrationen melden.

Sohle, Strecken und Streb

Von den Schächten aus erreicht man die verschiedenen Sohlen. Man kann sie am besten mit unterirdischen Stockwerken vergleichen. Von den Sohlen gehen lange, waagerechte Gänge ab, die man als Strecken bezeichnet. Sie führen zu den Stellen, an denen Kohle abgebaut wird. Die Kohleflöze im Ruhrgebiet verlaufen nahezu waagerecht, sodass man parallel zu ihnen einen so genannten Streb gräbt. Diese Abbauart nennt man Strebbau. Früher musste der Bergmann mit reiner Muskelkraft das Gestein mit der Kohle abschlagen. Später erleichterten dann Presslufthämmer die Arbeit.

Strecke im Anschauungsbergwerk - Bild: Deutsches Bergwerksmuseum Bochum

Heute geht der Abbau automatisch vonstatten. Dafür verwendet man zum Beispiel Kohlehobel, welche die Kohleschichten abschälen. Bei mächtigen Flözen setzt man so genannte Walzenschrämlader ein. Mit diesen großen Maschinen wird die Kohle in großen Stücken aus dem Flöz herausgeschnitten und dann auf Förderanlagen abtransportiert.

Hightech-Streb im Anschauungsbergwerk - Bild: Deutsches Bergwerksmuseum Bochum

Die entstandenen Hohlräume werden abgestützt. Früher nahm man dazu einfache Holzbalken. Später verwendete man so genannte Stempel aus Stahl. Heute werden zumeist vollautomatische Schildsysteme genutzt. Das sind zum Beispiel in den Walzenschrämlader eingebaute Stützplatten, die sich wie ein Schild über die Abbaustrecke wölben. Den Raum, in dem die Kohle abgebaut ist, nennt man Toter Mann.

Der Füllort

Die gewonnene Kohle wird zum so genannten Füllort gebracht. Schon früh benutzte man dafür besondere Förderwagen, die auf Gleisen liefen. In der Bergmannssprache nannte man sie Hunte. Lange Zeit schoben die Bergleute diese mit eigener Muskelkraft zu den Füllorten. Als die Stollen unter Tage immer länger wurden, setzte man auch Pferde ein. Anfangs fuhren sie mit den Bergleuten zusammen in die Tiefe und am Ende der Schicht wieder heraus. Auf dem Zechengelände hatten sie eigene Weideplätze. Später ließ man die Grubenpferde ständig in Ställen unter Tage, sodass sie nie wieder Tageslicht sahen. Berühmt geworden ist das Grubenpferd Tobias, das 1966 als eines der letzten im Ruhrgebiet nach 12 Jahren Dienst wieder an die Oberfläche gebracht wurde, wo es auf einem Bauernhof sein Gnadenbrot bekam.

Heute wird die Kohle entweder mit automatischen Grubenbahnen oder auf Förderbändern zum Füllort transportiert. Das Material wird dort zunächst in Bunkern gelagert und anschließend in den so genannten Skips an die Oberfläche gefahren. Diese Skips fassen bis zu 50 Tonnen.

Grafik: Hamsterkiste

Die Hängebank

Über Tage werden die Skips an der so genannten Hängebank entleert, gleichzeitig kann wieder Material an das Förderseil eingehängt werden, das in die Tiefe transportiert wird. Oft sind diese Hängebänke in einer gewissen Höhe angebracht, sodass man die Fördergefäße leicht entleeren kann. Die Kohle muss nun noch von dem mitgeführten Gestein getrennt werden.

Halde des Bergwerks Prosper Haniel in Bottrop - Bild: Hamsterkiste

Die Halde

Außer der Kohle bleibt eine Menge Abraum aus Erde und Gestein übrig. Meistens wird der Abraum außerhalb des Bergwerkes über Tage gelagert. Dadurch sind riesige Abraumhalden entstanden, die als markante Hügel in der Ruhrgebietslandschaft hervortreten.

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