Hamsterkiste Lerngeschichte

Der 11. August 1855 war ein besonderer Tag für die alte Hansestadt Hamburg. Feierlich wurde das erste künstlich angelegte Hafenbecken eingeweiht. Zwei Tage später liefen die ersten Dampfschiffe, die "Germania" und die "Planet", in diesen neuen Hafen ein.

Bis dahin machten die Schiffe im Hamburger Hafen meistens an so genannten Dalben fest. Das waren Pfähle, die einzeln oder in Gruppen in den Boden der Elbe gerammt wurden. Über Planken konnten die Schiffe dann mühselig ent- und beladen werden. Bis etwa 1860 fuhren fast ausschließlich Segelschiffe über die Meere, erst danach setzten sich allmählich die Dampfschiffe durch.

In dem neuen Hamburger Hafenbecken, das man Sandtorhafen nannte, wurde zunächst ein so genannter Kai und eine Kaimauer errichtet. An dieser Kaimauer legten die Schiffe längsseits an. Kräne, die mit Dampfmaschinen betrieben wurden, hievten die Güter aus den Laderäumen und setzten sie direkt auf dem Kai ab, von wo aus sie in nahe Speicherschuppen gebracht wurden. Man konnte sie auch gleich auf Pferdefuhrwerke oder Eisenbahnwaggons absetzen und weiter transportieren.

Da ging viel schneller und so konnten viel mehr Waren umgeschlagen werden. In der Nähe des Sandtorhafens entstanden bald gemauerte Speicherhäuser. In den nächsten Jahrzehnten wurden in Hamburg zahlreiche weitere Hafenbecken errichtet. Sie alle waren nach dem gleichen Muster angelegt. So wurde der Hamburger Hafen zu einem der größten in Europa.

Der Sandtorkai im Jahr 1880 - Bild: Pincerno (Wikipedia)

Schon bald war der alte Sandtorhafen zu klein für die immer größeren Schiffe. Schließlich wurden hier kaum noch Schiffe be- und entladen, die alten Hafenschuppen verfielen und im Hafenbecken lagerte sich Schlick ab. Doch vor einigen Jahren begann man, die Umgebung des alten Sandtorhafens zu einem neuen Hamburger Stadtteil umzubauen: Die Hafencity. Aus alten Speicherhäusern werden Wohnungen und Büros, entlang alter Kaianlagen entstehen neue Gebäude.

Die Hafencity ist vollständig von Fluss- und Kanalläufen umgeben. Auf einer Fläche von rund 2,2 Quadratkilometern sollen demnächst etwa 14.000 Menschen wohnen und 45.000 Arbeitsplätze zur Verfügung stehen.

Man baggerte den Sandtorhafen aus und der Sandtorkai, die älteste Kaimauer Hamburgs, wurde restauriert. Im Hafenbecken installierte man eine Pontonanlage. Sie ist 380 Meter lang und bietet Liegeplätze für etwa 20 bis 25 kleine Schiffe.

Hier findet man seit einigen Jahren ältere Schiffe, die oft mehrere Jahrzehnte ihren Dienst versahen. Sie sind zwar noch funktionstüchtig, aber sie wurden auf ihren ehemaligen Strecken durch modernere Schiffe ersetzt. Heute ziehen sie zahlreiche Besucher an, und manchmal kann man auf ihnen auch noch eine Tour buchen. Sie werden von einer Stiftung verwaltet und von ehrenamtlich tätigen Seeleuten gepflegt und gefahren.

Dazu gehören unter anderem diese Schiffe und Anlagen:

Die "Seute Deern" lief 1961 in Emden vom Stapel. Das 64 Meter lange Schiff fuhr mehr als 40 Jahre lang auf der Route von Cuxhaven nach Helgoland. Es hat dabei mehr als 600 000 Seemeilen zurückgelegt und mehrere Millionen Passagiere befördert. 2003 wurde es außer Dienst gestellt.

Das Dampfschiff "Schaarhörn" wurde 1907 gebaut. Es war sehr luxuriös ausgestattet, weil geplant war, dass der damalige deutsche Kaiser Wilhelm damit durch den Hamburger Hafen fahren sollte. Doch dazu kam es nie. Mehrere Jahrzehnte lang wurde die "Schaarhörn" bei Vermessungsarbeiten in der Mündung der Elbe eingesetzt. Seit 1990 ist sie wieder in Hamburg beheimatet.

Auf den Segelschiffen "Loth Loriёn" und "J R Tolkien" kann man inzwischen übernachten. Die "Loth Loriёn" hat 3 Masten und eine Länge von 48 Metern. Die "J R Tolkien" ist 42 Meter lang.

Der Schlepper "Fairplay VII" wurde 1962 gebaut. Doch bald war er zu klein, um die großen Containerschiffe zu bugsieren. Er wurde nach Wismar verlegt, wo er noch bis Mai 2009 täglich im Einsatz war.

Im heutigen Sandtorhafen hat man auch drei Kräne aufgestellt, mit denen Stückgut gehoben werden konnte. Im Vordergrund liegt die Flusschifferkirche, Deutschlands einziges Gotteshaus auf Schiffsplanken. Der ehemalige Frachtkahn wurde 1952 zur schwimmenden Kirche geweiht und lädt auch heute noch zum Gottesdienst auf dem Wasser ein.

Finde mit der Hamsterkisteprüfung heraus, was du gelernt hast.

Ergänzende Materialien für den Unterricht:

Text der Lerngeschichte mit Erkundungsaufgaben PDF

Text der Lerngeschichte mit Erkundungsaufgaben ODT

  Bilder und Skizzen: Hamsterkiste