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Teegeschirr, dekoriert mit der Meißner Rose in Rot - Bild: Goldi64  (CC BY-SA 3.0)

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Von 1694 bis 1733 regierte in Sachsen der Kurfürst August der Starke. Er liebte das Essen und das Trinken, sammelte wertvolle Bilder und ließ prächtige Schlösser und Ausstellungsräume bauen, um seinen Reichtum zu zeigen. Das war ziemlich teuer und so suchte August, der ab 1697 auch König von Polen war, immer nach Möglichkeiten, zu Geld zu kommen.

 August II., oft "August der Starke" genannt, abgebildet im Fürstenzug in Dresden - Bild: Hamsterkiste

Er hörte von einem jungen Apothekerlehrling namens Johann Friedrich Böttger, dem angeblich gelungen war, Silber in Gold zu verwandeln. Es gab damals eine Reihe von Leuten, die versuchten, Gold herstellen.  Man nannte sie Alchemisten. In Wirklichkeit hat das bis heute noch niemand geschafft. Auch Böttger bediente sich wohl eines Tricks, und täuschte die Verwandlung von Silber in Gold nur vor.

            

August der Starke befahl, Böttger zu entführen und für sich arbeiten zu lassen. Er hoffte so, seinen enormen Bedarf an Gold decken zu können und die leeren Staatskassen wieder aufzufüllen. 1701 wurde der junge Apotheker nach Dresden gebracht. In den nächsten Jahren lebte er als Gefangener im Laboratorium, wo er experimentierte und verzweifelt versuchte, Gold herzustellen. Andere Naturforscher wurden ihm zur Seite gestellt. Doch auch gemeinsam schafften sie es nicht. Aber die viele Arbeit war dennoch nicht umsonst. Im Januar 1708 gelang ihnen nämlich die Herstellung von Porzellan. Das sah zwar ganz anders aus als Gold, aber es war ebenfalls sehr wertvoll.

            

In China hatte man es schon im Jahr 620 n. Chr. hergestellt. Porzellan besteht hauptsächlich aus drei Zutaten: dem Gestein Kaolin und den Mineralien Quarz und Feldspat. Diese werden in einem aufwendigen und schwierigen Verfahren gemischt und in Öfen gebrannt. Es lassen sich daraus wertvolle Tassen, Teller und Figuren formen.

In Europa erfuhr man wohl erst durch den Asienreisenden Marco Polo, der im 13. Jahrhundert lange Zeit in China gelebt hatte, von dem feinen Geschirr der Chinesen. Er brachte wahrscheinlich auch einige Porzellanstücke nach Europa. Man glaubte, sie seien aus dem Gehäuse der Kaurischnecke hergestellt. Diese Schnecke wird im Italienischen „porcellana“ genannt. Von diesem Wort bekam das Porzellan schließlich seinen Namen. Das edle Material war bald in Europa bei den mächtigen und reichen Herrschern sehr begehrt, es war aber auch ziemlich teuer, da man alles Porzellan aus China einführen musste.

       

Es dauerte also bis in 18. Jahrhundert, bis man diesen wertvollen Stoff auch in Europa herstellen konnte. 1710 begann man in Sachsen, Gegenstände aus Porzellan in größerer Menge zu produzieren. Dies geschah auf der Albrechtsburg in Meißen. Man wählte diesen Ort, weil man hoffte, das Geheimnis seiner Herstellung hier am besten hüten zu können. Die Rezepturen wurden streng bewacht. Der Mitarbeiter Samuel Stöltzel brachte das Geheimnis aber dennoch nach Wien, wo 1718 die zweite europäische Porzellanmanufaktur entstand.

Die Albrechtsburg und der Dom zu Meißen heute - Bild: gemeinfrei

In Meißen entstanden neben Geschirr hauptsächlich wertvolle Figuren und andere Kunstgegenstände. Die Manufaktur besteht bis heute, sie heißt inzwischen „Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen GmbH“. Seit 1731 sind die blauen gekreuzten Schwerter das Markenzeichen des Porzellans aus Meißen.

Eine große Porzellansammlung befindet sich im Porzellanmuseum im Dresdner Zwinger. Es wurde schon 1715 von August dem Starken gegründet und umfasst heute 20 000 Kunstgegenstände aus Porzellan, von denen aber aus Platzgründen nur etwa 2000 gezeigt werden. Hier ist auch wertvolles Porzellan aus Japan und China zu sehen, das der Kurfürst begeistert gesammelt hatte.

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