Hamsterkiste - Lerngeschichte

Auf einer Insel im Rhein in der Nähe der Stadt Bingen steht ein Turm. Man nennt ihn den Mäuseturm. Er ist fast 700 Jahre alt, knapp 25 m hoch und wurde früher genutzt, um den Schiffsverkehr auf dem Rhein zu regeln.

Um diesen Turm rankt sich eine alte Sage. Sie erzählt, dass in diesem Turm einst ein Erzbischof von Mainz von Mäusen bei lebendigem Leibe aufgefressen wurde. In früheren Zeiten hatten Bischöfe große Macht und reichen Grundbesitz. Der Bischof Hatto von Mainz war wohl ein grausamer, habgieriger Mann.

Als einmal eine Hungersnot herrschte, verweigerte er den Armen jede Hilfe. Er hielt seine Kornspeicher verschlossen und als eine Gruppe von hungernden Menschen besonders nachdrücklich um Nahrung bat, befahl er seinen Gehilfen, die Leute in eine Scheune zu sperren und diese anzuzünden. Als die Sterbenden laut schrieen, sagte er nur höhnisch zu den Umstehenden: "Hört ihr, wie die Kornmäuslein pfeifen."

In dem Moment kamen Tausende von Mäusen aus ihren Verstecken. Überall wimmelten die grauen Nagetiere herum, sie pfiffen und quiekten. Sie nagten alles an, was sie erreichen konnten. Die Bediensteten ergriffen die Flucht. Der Bischof selbst sprang in einen Kahn und ließ sich zu einem Turm bringen, der mitten im Rhein auf einer kleinen Insel lag. Hier glaubte er, vor den Mäusen sicher zu sein.

Doch nach kurzer Zeit hatten auch sie den Turm erreicht. Sie drangen durch alle Spalten und Ritzen in das Gebäude ein, fielen über den Bischof her und fraßen ihn auf.

Sicher wird sich die Geschichte so nicht abgespielt haben. Aber auch in Sagen steckt oft ein wahrer Kern. Einen Bischof Hatto von Mainz hat es wirklich gegeben. Vor mehr als tausend Jahren stand er dem Mainzer Bistum vor. Damals gab es wenige sehr reiche Menschen. Die vielen Armen hatten oft nicht einmal das Nötigste zum Leben. Vielleicht entstand die Geschichte, weil man glaubte, irgendeine höhere Macht würde für Gerechtigkeit auf der Erde sorgen.

Der Mäuseturm, den wir heute bei Bingen sehen können, entstand erst viele Jahre nach dem Tode des Bischofs. An dieser Stelle versperrte bis vor etwa 400 Jahren eine Felsbarriere im Fluss den Schiffen die Weiterfahrt. Ladungen mussten mühsam umgeladen werden. Erst im 17. Jahrhundert sprengte man ein Loch in das Hindernis. Es entstand das "Binger Loch". Es wurde mehrfach verbreitert. Aber erst seit wenigen Jahren ist der Rhein hier so ausgebaut, dass Schiffe in beide Richtungen verkehren können.

Der Rhein bei Bingen mit der Mäuseturminsel - Bild: Hasehirn (CC BY-SA 3.0), Bearbeitung Hamsterkiste

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