Hamsterkiste Lerngeschichte

Vor 2000 Jahren erstreckte sich rund um das Mittelmeer das Römische Reich. Auch das heutige Frankreich, das die Römer Gallien nannten, gehörte dazu. Im Süden Galliens lag die Stadt Nemausus, die heute Nîmes heißt. In der Stadt lebten damals etwa 20 000 bis 25 000 Menschen. Einige Bauwerke aus dieser Zeit sind noch erhalten: Zum Beispiel das Amphitheater, der "Große Turm" als Teil der Stadtmauer, das Augustustor und ein Tempel der Göttin Diana. Diese Werke römischer Baumeister haben zwei Jahrtausende überdauert.

Etwa 20 Kilometer nordöstlich der Stadt befindet sich ein besonders beeindruckendes Beispiel römischer Baukunst: Der "Pont du Gard". Es ist die Brücke über den Fluss Gardon, der in römischer Zeit Vardo hieß. Sie war Teil eines Aquädukts, einer steinernen Wasserleitung, die die Stadt Nîmes mit dem lebensnotwendigen Wasser versorgte.

Die Leitung war insgesamt etwa 50 Kilometer lang. Das Wasser stammte aus Quellen bei der Stadt Uceta, die heute Uzès heißt. Der Höhenunterschied zwischen dem Beginn des Wasserkanals und seinem Ende betrug nur 12 Meter, also 24 Zentimeter auf einen Kilometer.

Teile der Wasserleitung verliefen durch Tunnel, die ins Gebirge gegraben werden mussten. Wegen der gebirgigen Gegend waren viele Umwege nötig. Dennoch gelang es den Bauleuten, das gleichmäßige, geringe Gefälle einzuhalten.

Die Überwindung des Tals, das der Fluss Gardon gegraben hatte, stellte die Baumeister vor besondere Herausforderungen. Sie errichteten schließlich eine Brücke, die 49 m hoch war und 3 Bogenreihen umfasste, die übereinander angelegt wurden.

Die untere Etage bestand aus 6 Bögen. Sie ist 22 m hoch, 6 m breit und 142 m lang. Die 11 Bögen der mittleren Ebene stehen enger. Sie verteilen sich auf eine Länge von 242 Meter, sind 4 Meter breit und 20 Meter hoch. Die dritte Ebene umfasst 35 Bögen. Sie ist 275 Meter lang, 3 Meter breit und 7 Meter hoch.

Über der dritten Ebene errichteten die Bauleute eine steinerne Rinne. Sie ist nur noch 1,80 Meter hoch und 1,20 Meter breit. Durch diese Rinne flossen täglich etwas 20 Millionen Liter Wasser. Jeder Einwohner von Nemausus verbrauchte also pro Tag im Durchschnitt etwa 1000 Liter. Das war deutlich mehr, als wir Menschen in Europa heute benötigen. Zum Vergleich: In Deutschland verbrauchte jeder Einwohner im Jahr 2015 nur 122 Liter.

Man verwendete für den Bau des Pont du Gard große rechteckige Steine, die in nahen Steinbrüchen gewonnen wurden. Die Kanten waren so gleichmäßig behauen, dass sie ohne Mörtel aufeinander geschichtet werden konnten. Man schätzt, dass etwa 1000 Arbeiter drei Jahre lang beschäftigt waren, um das große Bauwerk zu errichten. Sie arbeiteten mit einfachen Werkzeugen. Die Steine wurden mit Hilfe von Baukränen in die Höhe gehoben, die durch Tretmühlen betrieben wurden. Aus den Wänden ragen an manchen Stellen unregelmäßige Steine hervor, auf denen wahrscheinlich die Baugerüste verankert waren.

Einige Jahrhunderte lang versorgte die Leitung die Stadt Nemausus mit Wasser. Doch dann wurde sie nicht mehr genügend gepflegt. Im 8. Jahrhundert war sie schließlich unbrauchbar. Die Menschen begannen, einzelne Steine der Anlage abzubauen und für andere Bauten zu verwenden. Die untere Ebene des Pont du Gard wurde später als Straßenbrücke benutzt. Das ist inzwischen nicht mehr erlaubt. Seit 1985 ist der Pont du Gard als Teil des Unesco-Welterbes besonders geschützt.

Finde mit der Hamsterkisteprüfung heraus, was du gelernt hast.

Ergänzende Materialien für den Unterricht:

Erkundungsaufgaben PDF

 Erkundungsaufgaben ODT 

Text der Lerngeschichte zum Ausdrucken (PDF)

Text der Lerngeschichte zum Ausdrucken (ODT) Bild: Hamsterkiste

 

Impressum     l     Nutzungsbedingungen     l     Fehler gefunden?     l     © Hamsterkiste Verlag 2016