Eulenspiegel und der Bienenkorb

Einmal ging Eulenspiegel in ein Dorf auf einen Jahrmarkt. Er trank, bis er betrunken wurde. Dann suchte er einen Ort, wo er friedlich schlafen könne und ihm niemand etwas täte. Hinten in einem Hof fand er einen Haufen Bienenkörbe. Er kroch in einen leeren Korb um ein wenig zu schlafen. Er schlief von Mittag bis gegen Mitternacht.

In der Nacht kamen zwei Diebe und wollten einen Bienenkorb stehlen. Der eine sprach: "Der schwerste Korb ist auch der beste." Also hoben sie die Körbe und Stöcke einen nach dem anderen auf, und als sie zu dem Korb kamen, in dem Eulenspiegel lag, war das der schwerste. Sie nahmen ihn auf die Schultern und trugen ihn von dannen.

Indessen erwachte Eulenspiegel. Es war ganz finster, so dass einer den anderen kaum sehen konnte. Da griff Eulenspiegel aus dem Korb dem Vorderen ins Haar und riss ihn kräftig daran. Der wurde zornig  und er begann, den Hintermann zu beschimpfen. Dieser aber sprach: "Wie sollte ich dich an den Haaren rupfen? Ich kann doch kaum den Bienenkorb mit meinen Händen halten!" Eulenspiegel  wartete, bis sie eine Weile gegangen waren. Dann riss er den Hinteren auch kräftig am Haar, so dass dieser sein Gesicht schmerzlich verziehen musste. Der Hintermann wurde noch zorniger und sprach: "Ich gehe und trage und du sagst, ich ziehe dich beim Haar! Du ziehst mich beim Haar, dass mir die Schwarte kracht!" Der Vordere sprach: "Du lügst dir selbst den Hals voll! Wie sollte ich dich beim Haar ziehen, ich kann doch kaum den Weg vor mir sehen! Du hast mich beim Haar gezogen!"

So gingen sie zankend mit dem Bienenkorb weiter und stritten miteinander. Nicht lange danach zog Eulenspiegel den Vorderen noch einmal am Haar, so dass sein Kopf gegen den Bienenkorb schlug. Da wurde der Mann so zornig, dass er den Korb fallen ließ und blindlings mit den Fäusten nach dem Hintermann schlug. Dieser ließ den Bienenkorb auch los und schlug zurück. Sie taumelten übereinander, entfernten sich voneinander, und der eine wusste nicht, wo der andere blieb. Sie verloren sich zuletzt in der Finsternis und ließen den Bienenkorb liegen.

Nun lugte Eulenspiegel aus dem Korbe. Als er sah, dass es noch finster war, schlüpfte er wieder hinein und blieb darin liegen, bis es heller Tag war. Dann kroch er heraus und wusste nicht, wo er war. Er folgte einem Weg, kam zu einer Burg und verdingte sich dort als Hofjunge. 

nacherzählt von der Hamsterkiste - © Hamsterkiste

zurück