Von Hunden und Pferden des Freiherrn von Münchhausen

Ich bin immer berühmt gewesen wegen meiner Pferde, Hunde und Gewehre. Sie waren stets vortrefflich und ich habe immer einen guten Gebrauch von ihnen gemacht.  Vor allem zwei meiner Hunde zeichneten sich so sehr in meinen Diensten aus, dass ich sie nie vergessen kann und sie bei dieser Gelegenheit erwähnen muss. Der eine war ein Jagdhund mit Namen Diane, er war so aufmerksam und so umsichtig, dass jeder, der ihn sah, mich darum beneidete. 

Diesen Hund konnte ich Tag und Nacht gebrauchen. Wurde es Nacht, so hängte ich ihm nämlich eine Laterne an den Schwanz. Nun jagte ich so gut oder noch besser mit ihm als am hellen Tage.

Einst hatte meine Frau Lust auf die Jagd zu gehen. Ich ritt voran und es dauerte nicht lange, so stand mein Hund vor einer Kette von einigen hundert Fasanen. Ich wartete auf meine Frau, die mit meinem Leutnant und einem Reitknecht gleich nach mir weg geritten war.  Niemand aber war zu sehen und zu hören. Endlich wurde ich unruhig, kehrte um und ungefähr auf der Hälfte des Weges hörte ich ein äußerst klägliches Winseln. Es schien mir ziemlich nahe zu sein und doch war weit und breit keine lebendige Seele zu erblicken.

Ich stieg ab, legte mein Ohr auf den Boden und nun hörte ich nicht nur, dass dieses Jammern unter der Erde war, sondern erkannte auch ganz deutlich die Stimme meiner Frau. Zugleich sah ich auch, dass nicht weit von mir die Öffnung einer Steinkohlengrube war, und es blieb mir nun leider kein Zweifel mehr, dass mein armes Weib und ihre Begleiter da hineingestürzt waren. Ich eilte in das nächste Dorf, um die Grubenleute zu holen, die endlich nach langer, höchst mühseliger Arbeit die Verunglückten aus einem mehr als hundert Meter tiefen Schacht zu Tage förderten. Erst brachten sie den Reitknecht, dann sein Pferd, dann den Leutnant, dann sein Pferd, dann meine Frau und zuletzt ihren türkischen Klepper nach oben.

Das Wunderbarste bei der ganzen Sache war, dass Menschen und Pferde bei diesem ungeheuren Sturze, einige kleine Quetschungen abgerechnet, fast gar nicht beschädigt worden waren. Umso mehr aber hatten sie durch die unaussprechliche Angst gelitten. An eine Jagd war nun, wie Sie sich leicht vorstellen können, nicht mehr zu denken.

Gleich den anderen Morgen hatte ich eine Reise anzutreten, von der ich erst nach vierzehn Tagen zurückkam. Ich war kaum einige Stunden wieder zu Hause, als ich meine Diane vermisste. Niemand hatte sich um sie gekümmert. Da kam mir der Gedanke: Sollte der Hund wohl gar noch bei den Fasanen sein? Hoffnung und Furcht jagten mich augenblicklich ins Jagdrevier. Zu meiner unsäglichen Freude stand mein Hund noch auf derselben Stelle, wo ich ihn vor vierzehn Tagen verlassen hatte. „Piel!“ rief ich und sogleich sprang er ein, und ich bekam auf einen Schuss fünfundzwanzig Hühner. 

Kaum aber konnte das arme Tier noch zu mir kriechen, so ausgehungert und ermattet war es. Um den Hund mit mir nach Hause bringen zu können, musste ich ihn auf mein Pferd nehmen. Nach einer guten Pflege von wenigen Tagen war er wieder so frisch und munter als zuvor.

Vierzehn Tage später jagte ich zwei ganze Tage hinter einem Hasen her. Mein Hund scheuchte ihn immer wieder auf, aber nie konnte ich zum Schusse kommen. Endlich kam mir aber doch der Hase so nahe, dass ich ihn mit meinem Gewehr erreichen konnte. Er stürzte nieder und was meinen Sie, was ich nun fand? - Vier Läufe hatte mein Hase unter dem Leibe und viere auf dem Rücken. Waren die zwei unteren Paar müde, so warf er sich wie ein geschickter Schwimmer, der auf Bauch und Rücken schwimmen kann, herum, und nun ging es mit den beiden neuen wieder mit verstärkter Geschwindigkeit fort. Nie habe ich nachher einen Hasen von der Art gefunden und auch diesen würde ich nicht bekommen haben, wenn mein Hund nicht so ungemeine Vollkommenheiten gehabt hätte.

Mein anderer Hund Weiland war ein Windhund. Diese Hündin verfügte über eine ganz außerordentliche Schnelligkeit. Sie lief so schnell, so oft und so lange in meinem Dienste, dass sie sich die Beine bis dicht unterm Leibe weglief und ich sie in ihrer letzten Lebenszeit nur noch als Dachssucher gebrauchen konnte.

Eines Tages setzte sie hinter einem Hasen her, der mir ganz ungewöhnlich dick vorkam. Es tat mir Leid um meine arme Hündin, denn sie war mit Jungen trächtig und wollte doch noch ebenso schnell laufen als sonst. Nur in sehr weiter Entfernung konnte ich zu Pferde nachfolgen. Auf einmal hörte ich ein Gekläff wie von einer ganzen Kuppel Hunde. Wie ich näher kam, sah ich mein himmelblaues Wunder. Die Häsin hatte im Laufen gesetzt und meine Hündin hatte geworfen, und zwar jene gerade ebenso viel junge Hasen als diese junge Hunde. Die jungen Hasen waren zwar sofort geflüchtet, aber die jungen Hunde hatten sie sogleich verfolgt und  auch gefangen. Dadurch gelangte ich am Ende der Jagd auf einmal zu sechs Hasen und sechs Hunden, obwohl ich doch nur mit einem einzigen Hund angefangen hatte.

Außer dieser wunderbaren Hündin verfügte ich zu der Zeit über ein vortreffliches litauisches Pferd, welches nicht mit Geld zu bezahlen war.  Ich war einst auf dem prächtigen Landsitze des Grafen Przobofsky in Litauen und blieb bei den Damen zum Tee. Die Herren indes gingen hinunter in den Hof, um ein junges Pferd anzusehen, das soeben neu auf dem Gut angelangt war. Plötzlich hörten wir einen Notschrei. Ich eilte die Treppe hinab und fand das Pferd so wild und unbändig, dass niemand sich getraute, sich ihm zu nähern oder es zu besteigen. 

Bestürzt und verwirrt standen die anderen Reiter da, Angst und Besorgnis schwebte auf allen Gesichtern. Ich jedoch schwang mich mit einem einzigen Sprung auf seinen Rücken. Durch diese Überraschung hatte ich das junge Pferd nicht nur in Schrecken versetzt, sondern ich brachte es auch durch Anwendung meiner besten Reitkünste gänzlich zu Ruhe und Gehorsam. 

Um dies den Damen noch besser zu zeigen und ihnen alle unnötige Besorgnis zu ersparen, so zwang ich den Gaul, durch eines der offenen Fenster des Teezimmers in den Salon zu springen. Hier ritt ich nun verschiedene Mal, bald Schritt, bald Trott, bald Galopp herum, setzte endlich sogar auf den Teetisch und zeigte allerlei Dressuren, worüber sich denn die Damen ganz ausnehmend ergötzten. Mein Pferd machte alles so bewundernswürdig geschickt, dass es weder Kannen noch Tassen zerbrach. Der Herr Graf hingegen war so erstaunt, dass er mich höflich bat, das junge Pferd als Geschenk anzunehmen.

Abbildung: Hardy Heywood - Full Cry (gemeinfrei) - © Hamsterkiste

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