Das arme Mädchen und die Sterntaler

Es war einmal ein armes kleines Mädchen. Es hatte keine Eltern mehr, kein Haus, in dem es wohnen und kein Bett, in dem es schlafen konnte. Es besaß nichts auf der Welt als die Kleider, die es am Leibe trug, eine warme Mütze und ein Stückchen Brot, das ihm jemand aus Mitleid geschenkt hatte.

Es ging durch die Stadt. Da begegnete ihm ein alter Mann, der bettelte, denn er hatte Hunger. Das Mädchen schenkte ihm das Stückchen Brot. Nach einiger Zeit sah es ein Kind, das jämmerlich fror. Dem gab es seine warme Mütze.

Einige Zeit später begegnete ihm noch ein Kind, das hatte mitten im Winter keinen Mantel an. Es schenkte ihm seinen. Bald danach entdeckte es ein weiteres Kind, das hatte statt einer langen Hose nur ein dünnes Röckchen an. Diesem Kind überließ das Mädchen seine Hose, die besonders gut den Wind abhielt. So hatte es nur noch ein dünnes Hemd an.

Am Abend, als es schon dunkel geworden war, kam das Mädchen in einen Wald. Da begegnete ihm erneut ein Kind. Das war in Lumpen gehüllt. Da dachte das Mädchen: „Es ist dunkel geworden. Hier im Wald sieht mich keiner.“ Dann gab es dem Kind auch noch sein letztes Hemd.

Da fielen auf einmal die Sterne vom Himmel und wurden zu lauter blanken Talern. So nannte man früher die Geldstücke. Das gute Mädchen hatte sogar wieder ein Kleid an, so schön, wie es nur Prinzessinnen haben.

Es sammelte alle Taler ein und war reich, so lange es lebte.

Erzählt nach dem Märchen der Gebrüder Grimm -  Illustration: Ludwig Richter, "Sterntaler" (PD)

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