Eine Klassenfahrt im Jahr 1929

Auch in früheren Zeiten unternahmen Schulkinder und ihre Lehrer Ausflüge und Klassenfahrten. Als wichtigstes Verkehrsmittel diente die Eisenbahn. Oft wurden außerdem lange Strecken zu Fuß oder mit Pferdefuhrwerken zurückgelegt. Der folgende Bericht einer Schülerin der Volksschule Lage (Kreis Grafschaft Bentheim, Niedersachsen) handelt von einer dreitägigen Tour in den Teutoburger Wald.

Übersicht über unsere Wanderfahrt nach dem Teutoburger Walde

Die Ferien standen vor der Tür. Es war schönes Wetter, wir wollten in die weite Welt hinaus, in die Berge, eine Wanderung nach Iburg machen. Fröhlich wanderten wir auf Grasdorf zu. Hier bestiegen wir den Zug, und in sausender Fahrt ging's auf Nordhorn und Bentheim zu. Von weitem erblickten wir den Isterberg und die alten knorrigen Eichen des Bentheimer Waldes. Wir fuhren über Rheine, Hörstel, Ibbenbüren. Hier stiegen wir aus und nahmen unseren Wanderstab in die Hand und marschierten über Dörenthe und Brochterbeck auf Tecklenburg zu. Dies war ein schönes Bergstädtchen. Langsam fing es an zu regnen, aber unser Humor blieb trocken. Wenn wir wieder eine Zeitlang gegangen waren, fragten wir unseren Lehrer: "Wie lange dauert es noch, ehe wir Iburg erreicht haben?" 

Ab Tecklenburg fuhren wir wieder mit dem Zug. Langsam wurde es Abend. Nun kamen wir in Iburg an, alle waren müde. Hier kamen wir bei den Eltern unseres Lehrers ins Nachtquartier. Am Sonntag setzten wir unsere Fahrt fort und bestiegen den Dörenberg, von hieraus hatten wir einen schönen Ausblick nach allen Seiten. Nun ging's bergab auf Georgs-Marienhütte zu. Hier kamen wir durch Tannenwälder. Von weitem erblickten wir ein Haus, es war die Jugendherberge, die von allen Seiten von Bergen und Wäldern umgeben war. Dort haben wir uns zur Nachtruhe begeben. Am Montagmorgen marschierten wir auf Osnabrück zu. Hier bestiegen wir den Zug und fuhren nach Hörstel. 

Da sind wir nach dem Dortmund-Ems-Kanal gegangen. Hier waren viele Schiffe, die brachten Kohle von Dortmund nach Emden. Mit großem Interesse besichtigten wir die Schleuse im Hafen Bergeshövede. Es dunkelte schon, und wir fuhren fröhlich nach unserer Heimat. In Grasdorf holten uns Bauernwagen ab, nun fuhren wir singend auf unseren Heimatort zu, stiegen vom Wagen und verabschiedeten uns. Als ich zu Hause kam, musste ich erst meinen Durst und Hunger stillen, dann habe ich mich gleich ins Bett gemacht. Erst am andern Tage ging's ans Erzählen.

 

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Quelle: Aufsatzsammlung der Grundschule Lage zum Thema "Unsere Fahrt nach Iburg 1929"  - Abbildung: Ausschnitt aus einem Schulheft

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