Unser tägliches Brot

Bis vor ungefähr 10.000 Jahren lebten die Menschen als Jäger und Sammler. Sie erlegten Tiere und aßen ihr Fleisch. Aus den Fellen stellten sie Kleidung und Schuhe her und nutzten die Sehnen und Knochen für Werkzeuge und einfache Waffen. Sie sammelten Blätter und Wurzeln, Beeren, Samen, Früchte und Pilze. Sie zogen in Gruppen umher und wohnten in Höhlen und Zelten. Immer wieder herrschte Hunger, wenn die Jäger keine Tiere entdeckten, wenn die Winter hart und lang waren oder die Pflanzen in heißen Sommern verdorrten.

Irgendwann entdeckten die Menschen, dass man Samen mancher Pflanzen auch aussäen kann. Anschließend musste man ein wenig warten und konnte dann ein Vielfaches der ausgesäten Menge ernten. Man legte Vorräte an und überstand so kalte Winter und heiße Sommer viel besser als früher. Man brauchte auch nicht mehr umherzuziehen.  Aus Jägern und Sammlern wurden sesshafte Ackerbauern, die in festen Häusern lebten.

Für die Ernährung der Menschen sind einige Getreidearten seitdem besonders wichtig: Hirse, Hafer, Gerste, Reis, Weizen, Roggen und Mais. Die Getreidekörner wurden ursprünglich zerstampft oder gemahlen. Man vermengte sie mit Wasser und aß den Brei. Wenn man diesen Brei auf heiße Steine legte, entstand daraus Fladenbrot, das man einige Tage aufbewahren konnte. Außerdem ließen sich die Fladen leicht transportieren. So hatte man bei der Arbeit auf den Feldern, auf Reisen oder auf der Jagd ständig einen Vorrat an Nahrung bei sich.  Die Menschen lernten bald, einfache Mühlen und Backöfen herzustellen.

Irgendwann entdeckte man den Sauerteig: Wenn man etwas Teig mit Wasser vermischte und einige Zeit liegen ließ, begann er zu gären. Hefepilze sorgten dafür, dass sich im Teig kleine Gasbläschen bildeten. Den gegorenen Teig konnte man trotzdem backen. Das Gebackene war dann viel aufgelockerter und besser zu kauen. Wahrscheinlich hat man in Ägypten schon vor 5.000 Jahren auf diese Weise Brot gebacken. Im Altertum nannte man die Ägypter „Brotesser“. In der Bibel, die in Israel entstand, ist an vielen Stellen vom Brot die Rede.

Als Israel und Ägypten später von den Römern erobert wurden, verbreitete sich die Kunst des Brotbackens in Europa.  Die Ernährung der Bevölkerung im Römischen Reich war wesentlich von der Ernte in den „Kornkammern“ in Nordafrika und Spanien abhängig. Eine römische Großbäckerei stellte schon vor 2000 Jahren 36.000 Kilogramm Brot pro Tag her. Die Herrscher im römischen Reich versuchten, die Bevölkerung mit „Brot und Spielen“ für sich zu gewinnen.

Weißbrot war im Mittelalter so wertvoll, dass es sich nur reiche Leute leisten konnten. Ärmere Schichten mussten sich mit dunklem Brot begnügen. Überall gab es Mühlen, die mit Wasserkraft oder Wind betrieben wurden und von denen noch heute viele Märchen erzählen.

In Notzeiten mischte man Getreidemehl mit Mehl aus Erbsen, Bohnen, Kartoffeln und Eicheln.  Betrüger fügten gelegentlich auch Gips oder Sägespäne hinzu.

Noch heute ist Brot in Europa und Amerika ein wichtiges Nahrungsmittel, dessen Bedeutung man auch an manchen Gebräuchen erkennen kann. Wenn jemand einen festen Arbeitsplatz hat, sagt man von ihm, er stehe in „Lohn und Brot“. Wenn man eine neue Wohnung oder ein neues Haus bezieht, schenken Freunde oder Nachbarn oft Salz und Brot. Bei christlichen Gottesdiensten wird durch die Weihe von Brot und Wein an das letzte Abendmahl erinnert, das Jesus mit seinen Jüngern einnahm.

Und im „Vater unser“, dem schönsten Gebet des Christentums, heißt es: „Unser tägliches Brot gib uns heute“.

  Bestimmt schaffst du nun diese Aufgaben.

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